Antrag: Keine Einschränkungen des Art. 15 GG für Bundesländer

Beschlos­sen auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 24. Juli 2026

Antragstext

Der Kreis­ver­band Regens­burg-Stadt wird für die kom­men­de Lan­des­de­le­gier­ten­kon­fe­renz 2026 fol­gen­den Antrag stellen:

Kei­ne Ein­schrän­kun­gen des Art. 15 GG für Bundesländer

Als baye­ri­sche Grü­ne erken­nen wir das im Grund­ge­setz aus­for­mu­lier­te Werk­zeug der Ver­ge­sell­schaf­tung von Grund und Boden, von Natur­schät­zen und Pro­duk­ti­ons­mit­teln zum Woh­le der All­ge­mein­heit an und ver­tei­di­gen es. Der Lan­des­ver­band von Bünd­nis 90 / Die Grü­nen stellt sich klar gegen das Vor­ha­ben der Bun­des­re­gie­rung, durch ein Bun­des­ge­setz die Ver­ge­sell­schaf­tung von pri­va­ten Woh­nungs­un­ter­neh­men durch Bun­des­län­der zu unter­bin­den. Eben­so posi­tio­niert sich der Lan­des­ver­band gegen eine bun­des­ein­heit­li­che Fest­le­gung mög­li­cher Ent­schä­di­gun­gen auf den Ver­kehrs­wert der Immo­bi­li­en im Fal­le einer Ver­ge­sell­schaf­tung von Unter­neh­men oder Unter­neh­mens­tei­len. Poten­zi­el­le Ent­schä­di­gun­gen müs­sen stets im Ein­zel­fall, wie im Grund­ge­setz fest­ge­schrie­ben unter gerech­ter Abwä­gung der Inter­es­sen der All­ge­mein­heit und der Betei­lig­ten, bestimmt werden.

Im Fall einer Ver­ab­schie­dung der oben genann­ten Geset­ze unter­stützt der Lan­des­ver­band eine ent­spre­chen­de Ver­fas­sungs­kla­ge in der Öffent­lich­keit. Einer etwa­igen Bestre­bung, den Art. 15 GG durch eine Ver­fas­sungs­än­de­rung abzu­schaf­fen, ertei­len die Grü­nen in Bay­ern eine kla­re Absage.


Begründung

Eigen­tum ver­pflich­tet und sein Gebrauch soll dem Woh­le der All­ge­mein­heit die­nen. Der wis­sen­schaft­li­che Dienst des Bun­des­ta­ges hat 2019 klar­ge­stellt, dass der Ver­ge­sell­schaf­tung gro­ßer Woh­nungs­un­ter­neh­men zur Bedürf­nis­be­frie­di­gung im Sin­ne der All­ge­mein­heit aus all­ge­mei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Erwä­gun­gen nichts ent­ge­gen­steht. Die Ent­schä­di­gung ist im Ein­zel­fall unter gerech­ter Abwä­gung der Inter­es­sen der All­ge­mein­heit und der Betei­lig­ten zu bestimmen.

Laut Art. 74 Abs. 1 Nr. 15 GG unter­liegt die Ver­ge­sell­schaf­tung der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung, d.h. nur ein Bun­des­ge­setz, das die Ver­ge­sell­schaf­tung gro­ßer Woh­nungs­un­ter­neh­men mit ent­spre­chen­der Ent­schä­di­gung bun­des­ein­heit­lich bestimmt, kann die Län­der davon abhal­ten, eige­ne Geset­ze zur Ver­ge­sell­schaf­tung zu beschlie­ßen. Ein Bun­des­ge­setz, das ledig­lich die Rah­men­be­din­gun­gen für eine Ver­ge­sell­schaf­tung so setzt, dass die Län­der dar­an gehin­dert wer­den, eige­ne Geset­ze zu beschlie­ßen, ohne dabei selbst eine Ver­ge­sell­schaf­tung fest­zu­le­gen, ist unse­rer Ansicht nach ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig, da dies bedeu­ten wür­de, dass Ver­fas­sungs­ar­ti­kel durch ein­fa­che Bun­des­ge­set­ze aus­ge­he­belt wer­den können.

Auch wenn der Art. 15 GG bis­her noch kei­ne Anwen­dung gefun­den hat, stellt er ein wich­ti­ges Instru­ment dar, bei gro­ben wirt­schaft­li­chen Ver­wer­fun­gen, die mög­li­che Ein­fluss­nah­me des Staa­tes zu sichern. Sich die­ses Instru­ment, das das Grund­ge­setz ermög­licht, aus ideo­lo­gi­schen Grün­den zu neh­men, ist kei­ne zukunfts­ge­rich­te­te Poli­tik. Des­halb kann eine Abschaf­fung die­ses Ver­fas­sungs­ar­ti­kels nicht Sin­ne der Grü­nen sein.