Antrag: Hitze bedeutet Lebensgefahr

Beschlos­sen auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 24. Juli 2026

Antragstext

Der KV möge fol­gen­den Antrag an der Lan­des­de­le­gier­ten­kon­fe­renz stellen:

Hit­ze bedeu­tet Lebensgefahr

Mit Blick auf die fort­schrei­ten­de Kli­ma­ka­ta­stro­phe und diver­se Extrem­wet­ter­er­eig­nis­se der letz­ten Mona­te und Jah­re for­dert BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bayern:

1. die Anner­ken­nung von Hit­ze­wel­len als beson­de­re Natur­ge­fahr sowie eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf die­se durch das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Umwelt und Verbraucherschutz.

2. die Ver­an­ke­rung von Kli­ma- und Hit­ze­an­pas­sungs­maß­nah­men als kom­mu­na­le Pflicht­auf­ga­be mit aus­rei­chen­den und ver­läss­li­chen finan­zi­el­len Kom­pen­sa­tio­nen aus Landesmitteln.

3. die Ein­füh­rung eines Hit­ze­ak­ti­ons­plans auf Lan­des­ebe­ne mit dem Ziel, die Kom­mu­nen bei die­ser Auf­ga­be zu unterstützen.

4. die Anpas­sung von Geset­zen und Vor­schrif­ten um Bürger*innen lang­fris­tig vor Hit­ze und ande­ren Fol­gen der Kli­ma­ka­ta­stro­phe zu schüt­zen und Bay­ern auf allen Ebe­nen an die ver­än­der­ten kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen anzu­pas­sen.
Im Beson­de­ren müs­sen bei­spiels­wei­se Bau­vor­schrif­ten ange­passt wer­den um begrün­te Fas­sa­den und selbst­küh­len­de Häu­ser (zum Bei­spiel nach dem Vor­bild von Fran­cis Kéré) zu ermöglichen.

5. die Aus­ar­bei­tung eines Pla­nes zur bay­ern­wei­ten Umset­zung des Schwamm­stadt­prin­zips unter Ein­be­zie­hung der Kommunen.

6. die För­de­rung von Maß­nah­men die zur Regen­was­ser­spei­cher für lan­ge Hit­ze­pe­ri­oden bei­tra­gen, bei­spiels­wei­se die Ein­rich­tung von kom­mu­na­len Regen­was­ser­agen­tu­ren nach Ber­li­ner Vorbild.


Begründung

Die Kli­ma­kri­se ist in Bay­ern längst real und äußert sich zuneh­mend durch extre­me Hit­ze­wel­len, die sowohl die öffent­li­che Gesund­heit als auch unse­re Öko­sys­te­me mas­siv gefähr­den. Um wirk­sa­me Schutz­maß­nah­men zu imple­men­tie­ren und die not­wen­di­gen admi­nis­tra­ti­ven Hebel in Bewe­gung zu set­zen, ist es essen­zi­ell, dass das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Umwelt- und Ver­brau­cher­schutz Hit­ze offi­zi­ell als beson­de­re Natur­ge­fahr aner­kennt. Nur durch die­se for­ma­le Ein­ord­nung kön­nen recht­li­che Rah­men­be­din­gun­gen und Finan­zie­rungs­mo­del­le geschaf­fen wer­den, die einer effek­ti­ven Gefah­ren­ab­wehr gerecht werden.

Bis­her liegt die Ver­ant­wor­tung für den Hit­ze­schutz pri­mär bei den Kom­mu­nen. Dies führt jedoch zu einem gefähr­li­chen Fli­cken­tep­pich an Maß­nah­men und über­for­dert vie­le Städ­te und Gemein­den finan­zi­ell sowie orga­ni­sa­to­risch. Ein ver­bind­li­cher Hit­ze­ak­ti­ons­plan auf Lan­des­ebe­ne ist daher drin­gend not­wen­dig, um stra­te­gi­sche Leit­li­ni­en vor­zu­ge­ben, Res­sour­cen gerecht zu ver­tei­len und eine flä­chen­de­cken­de Vor­sor­ge zu garan­tie­ren. Der Frei­staat darf die Ver­ant­wor­tung für die­ses sys­te­mi­sche Pro­blem nicht allein auf die loka­le Ebe­ne abschieben.

Par­al­lel zum kurz­fris­ti­gen Kri­sen­ma­nage­ment müs­sen wir lang­fris­ti­ge, bau­li­che Lösun­gen eta­blie­ren, die unse­re Städ­te und Gemein­den kli­ma­re­si­li­ent machen. Wir wol­len weg von ener­gie­in­ten­si­ven Kli­ma­an­la­gen und hin zu natur­ba­sier­ten sowie inno­va­ti­ven Archi­tek­tur­kon­zep­ten. Durch die Inte­gra­ti­on von Vor­ga­ben für begrün­te Fas­sa­den in die Bau­vor­schrif­ten und die För­de­rung selbst­küh­len­der Bau­wei­sen – inspi­riert durch Ansät­ze wie die von Fran­cis Kéré – schaf­fen wir eine lebens­wer­te Umge­bung, die Hit­ze prä­ven­tiv redu­ziert statt sie nur zu verwalten.